Scheidung online?

Seit längerer Zeit wird im Internet mit sog. Online-Scheidungen geworben. Der Mandant gibt per Email die vom Anwalt für erforderlich gehaltenen Daten an und der Anwalt formuliert daraus, meist mit Hilfe intelligenter Programme, einen Scheidungsantrag. Dabei sitzt der Anwalt z.B. in München während der Mandant in Flensburg wohnt und auch das Scheidungsverfahren dort stattfindet. Der Anwalt in München beauftragt nun einen Kollegen in Flensburg der – angeblich ohne Mehrkosten – den Mandanten dort vor dem Gericht vertritt. Dies alles geschieht, ohne dass der Mandant „seinen“ Anwalt in München je gesehen hat. So gut wie immer sieht er auch den Flensburger Anwalt das erste Mal beim Scheidungstermin. All das wird damit beworben, dass es billig, unkompliziert und schnell gehe.
Das Landgericht Berlin hat nun allerdings festgestellt, dass genau diese angeblichen Vorteile dem Mandanten zum Nachteil gereichen. Das Gericht stellt fest, dass es von vornherein verfehlt sei, auf der Homepage mit einer Ehescheidung „ohne Anwaltsbesuch zu den geringstmöglichen Kosten von Fachanwälten“ zu werben. Der Anwalt müsse den Mandanten über alle Probleme aufklären, den Mandanten befragen und alle möglichen Argumente, auch die der Gegenseite, erörtern.
Das Gericht stellt fest, dass all dies bei einer Vertretung des Mandanten allein mit Hilfe eines Online-Formulares nicht möglich sei. Nicht alles, was auf den ersten Blick modern und billig ist, ist also in den Augen der Gerichte auch gut. Darauf aber kommt es an.

LG Berlin 14 O 395/13

Nanette Teichmann

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