Sanierung einer Achimer Firma

„Fast tote Firma lebt wieder

Claus Hundhausen beschäftigt in Achimer-Kunststoff-Technik GmbH wieder 43 Mitarbeiter

Von Manfred Brodt

ACHIM Firmenchef Claus Hundhausen ist froh und erleichtert. Mit ihm sind es viele Mitarbeiter. Im März 2004 war die Firma Hundhausen schon tot. Dann ist sie mit neuem Konzept und neuem Namen wieder auferstanden. Mittlerweile verdienen dort wieder 43 Arbeitnehmer Lohn und Brot.

Am 19. November 2003 hatte die Firma F. W. Hundhausen im Industriegebiet Achim-Nord Insolvenz angemeldet.
Insolvenzverwalter Dr. Christian Willmer beschloss nach Zustimmung der Hausbanken und Stellung eines Massekredites, das Unternehmen zunächst fortzuführen und ein Fortführungskonzept zu erarbeiten. Die Interessenvertretung der Familie Hundhausen als Eigentümer und von Claus Hundhausen als Geschäftsführer des Unternehmens übernahm die Anwaltskanzlei”tmf&g” durch die Rechtsanwälte Wolfgang Götz für insolvenzrechtliche und Eghard Teichmann für arbeitsrechtliche Fragen.
Das Fortführungsmodell konnte relativ schnell auf den Zahlen eines vor der Insolvenz eingeschalteten Unternehmensberaters aufgebaut werden. Entscheidend war die Zustimmung der Kreissparkasse sowie die Stellung einer Landesbürgschaft zur Deckung der Kredite. Trotz der positiven Aussicht auf eine Landesbürgschaft hatte eine private Hausbank ihre Zustimmung verweigert, worauf die Insolvenzverwaltung Anfang März 2004 beschloss, das Unternehmen abzuwickeln.

Mit Hilfe des Insolvenzverwalters, des Wirtschaftsanwalts Götz und der Kreissparkasse schaffte Claus Hundhausen doch noch den Neubeginn. Die nun unter dem Namen Achimer Kunststoff-Technik (AKT) firmierende Firma führt ein reduziertes Produktionsprogramm fort, stellt keine Abwasser-Druckrohre mehr her, sondern nur noch druckfreie PVC-Kanalrohre,Kabelschachtrohre oder Sonderrohre für die Verpackungsindustrie oder Energieversorger. Anfang Juli 2004 konnte schon eine kleine Produktion in eigener Regie aufgelegt werden, die Schritt für Schritt in den folgenden Monaten ausgebaut werden konnte.
Mittlerweile beschäftigt die „AKT” wieder 43 Mitarbeiter am Standort Achim. Früher waren es in dem im 34 Jahr zunächst untergegangenen Unternehmen einmal 74. Die Produktion ist hochautomatisiert. Sonst wäre sie im Inland gar nicht zu halten.
Dem Sinn des neuen Insolvenzrechtes, Firmen nicht zu liquidieren, sondern möglichst zu sanieren und fortzuführen, wurde hier mustergültig Rechnung getragen, auch wenn der unausweichliche Abbau der Arbeitsplätze bitter bleibt.
Für Wirtschaftsanwalt Wolfgang Götz, der lange bei der Bremer Sparkasse tätig war, lehrt der Fall, dass es sinnvoll ist, sich möglichst noch vor der anscheinend unabwendbaren Krise wirtschaftlichen und rechtlichen Sachverstands zu bedienen. Fundierte Konzepte und rationale Kooperation mit den Geldgebern in den Kreditinstituten bringe mehr als Aggression aus Hilflosigkeit. Viele notleidende, überforderte mittelständische Betriebe bedürfen solcher Beratung und Hilfe, weiß Götz.
Allen sollte das Beispiel Hundhausen Mut machen: Das „Kind ist noch lange nicht in den Brunnen gefallen.“

(Achimer Kreisblatt vom 14.5.2005)

Wolfgang D. Götz

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